Zigarettenrauch

Dein unglückliches Gesicht, es zerreißt mir fast das Herz. Ich weiß nicht woher all deine Traurigkeit kommt, was dein ganzes Unglück ausmacht. Ich weiß nur, dass ich dir nicht mehr helfen kann.
Ich hatte es so oft versucht. Dich im Arm gehalten, wenn du geweint hast. Dir beruhigend über den Rücken gestreichelt, wenn du in deine panischen Manien verfallen warst, dir sanfte Küsse gegeben, wenn du Angst hattest, Angst vor Dingen, die es wohl nur in deinem Kopf gibt.
Ich habe meine ganze Kraft auf dich verwendet. Alles was ich hatte. Meine ganze Liebe und noch immer schaust du mich so unglücklich an.
Und wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich die gleichen verzweifelten Augen, mit denen du mich immer anblickst. Ich habe meine Grenzen schon länsgt erreicht und viel zu weit überschritten. Immer in der Hoffnung, dass in deinem Gesicht nur einmal ein strahlendes Lächeln zu sehen ist. Nicht dieses matte, entschuldigende Lächeln, wenn es dir wieder leid tat, dass deine Nerven mit dir durchgegangen sind und du nur noch mich hattest.
Und ich kann einfach nicht mehr. Wenn ich an dich denke, dann blutet mein Herz. Ich liebe dich, mehr als alles in der Welt. Du bist mein Alpha und mein Omega, mein Anfang und mein Ende, aber wohl vor allem mein Ende.
Warum kann ich dir nicht helfen? Es heißt doch Liebe überwindet alles, heilt die Wunden der Seele, hilft über Leiden hinweg. Liebe ich dich nicht genug, um dir helfen zu können? Aber mehr lieben konnte ich nicht mehr, ich gebe doch schon mein Bestes und es reicht einfach nicht.
Es gab kurze, trügerische Momente, in denen ich dachte, es würde funktionieren, es würde alles gut werden. Aber sie wurden immer wieder durch deine Tränen zerschmettert.
Wie viel kann ein Mensch aushalten?
Ich will dich nicht verlieren, aber ich weiß, dass ich mich verlieren werde, wenn ich nicht von dir loskomme. Du oder ich? Läuft es darauf hinaus? Ich habe mich immer für dich entschieden, immer und immer wieder und bin von mir selbst abgetrieftet. Wenn alte Bekannte mir begegnen, sehen sie mich verwundert an. Sie sagen, ich hätte mich verändert.
Alles nur für dich, dafür dass du glücklich wirst. Mit mir, ich will doch nur ein bisschen Glück mit dir. Ist das zu viel verlangt gewesen?
Und nun liege ich hier, nicht neben dir und trotzdem noch von dir gefesselt. Du oder ich? Ist all meine Liebe wirklich so umsonst gewesen?
„An was denkst du gerade?“ Jemand berührt meine Lippen sanft mit seinen, ich schaue in Augen, die mich so voller Hoffnung ansehen. Ich kenne diesen Blick. So hatte ich dich zu Anfang immer angesehen. Bin ich zu dir geworden? Kann ich dich nur so mit nehmen in mein Leben?
„Nichts.“ Meine Stimme ist tonlos und müde, genau wie es deine immer war.
„Ich weiß einfach nicht, an was du denkst, wenn du so traurig schaust…“, wird mir in mein Ohr geflüstert. Ich hatte auch nie gewusst, was in deinem Kopf vorging.
„Es ist nicht so wichtig.“ Ein Lächeln wäre angebracht, nur um zu beruhigen. Aber ich kann nicht, ich hatte von dir auch nie ein Lächeln bekommen. Es hätte alles soviel einfacher gemacht. Mein Kopf tut mir weh. Ich drehe mich von der Person neben mir weg. Er ist nicht du. Niemand ist so wie du und ich will nur dich. Warum geht es nicht? Warum bin ich nicht stark genug für dich? Du bist doch alles, was in meinem Leben von Bedeutung ist.
„Ich hab das Gefühl, als würde ich einfach nicht an dich rankommen.“ Wie sollte er auch? Er ist nicht du. Aber wie sollte ich das erklären? Es gibt im meinen Herz nicht genug Platz, um mehr als dich zu lieben. Ich kann einfach nicht damit aufhören.
„Soll ich gehen?“ Der Stimme kann man anhören, dass sie auf ein Nein wartete. Nein soll ich sagen, bleib hier, bei mir, hilf mir. Ich schweige und warte. Warte bis die Türe sich leise schließt, warte bis du wieder kommst. Du, der einzige Mensch, den ich lieben kann.
Du musst wieder kommen, weil ich dich brauche. Weil mein Leben ohne dich keinen Sinn hat und weil ich dir helfen will, muss.
Du oder ich? Ich habe gar keine Wahl, ich werde mich immer für dich entscheiden. Du weißt, wie sehr ich kämpfe. Ich kann es dir ansehen, in deinem unglücklichen Gesicht. Du weißt, dass hier immer wieder Fremde neben mir liegen, die den Schmerz um dich mildern sollen. Du weißt, dass es keinen Sinn hat.
Und trotzdem sitzt du jetzt neben mir im Bett. Es riecht immer noch nach dem Aftershave des Besuchers. Wir reden nicht und sehen uns nicht an. Wir berühren uns nicht einmal.
Ich höre das Klicken eines Feuerzeuges. Dann verschwindet der Geruch des Fremden und weicht deinen Zigaretten. Der Rauch hüllt mich ein, wie deine Gesellschaft.
„Ich liebe dich.“
„Ich weiß.“