Personal Rant: Design selber machen (lassen)

Nun bin ich ja nicht nur Autorin, sondern tatsächlich studierte Kommunikationsdesignerin. Ich habe einige Jahre für Werbeagenturen gearbeitet und bin nun auch schon seit eine Weile hauptberuflich als Designerin und Illustratorin selbstständig. Was soll man sagen?! Ich mag und mach eben schöne Dinge.

Seit ich im Eigenverlag veröffentliche und dafür durchaus eine gewisse Menge an Networking und Erfahrungsaustausch betreibe, begegnet man auch so manchen lustigen Zeitgenossen zum Thema „Cover selbst machen oder den Profi ranlassen?“

Von den Leuten, die sich auf fiverr für 5 Dollar ein Cover machen lassen, reden wir hier mal nicht. Ist jetzt auch mal kein Artikel über angemessene Bezahlung, etc. Aber kommen wir mal zu der Fraktion der „Selbermacher“. Ich muss sagen, es gibt immer wieder Ausnahmen, die echt schöne Cover auf eigene Faust hinkriegen, aber mal ganz ehrlich: Das sind wirklich Ausnahmen. Gut, wenn jemand seinen Spaß daran hat und findet, dass ein selbstgemachtes Cover ihn und seine Geschichte am besten repräsentiert, soll er das ruhig machen. Misch ich mich nicht ein und jedem, wie er will und es ihm Spaß macht. :)
Dann gibt es aber diese Marke an Leuten, die bei der Frage, ob man ein Cover besser selbst macht oder einen teuren Profi holt, gerne mit „Photoshop ist nicht schwer, mach einfach selbst“ antworten. Und wow … da bin ich immer wieder mal sprachlos. Dafür gibt es verschiedene Gründe, aber ich hab mal gehört, mit Vergleichen wird alles etwas anschaulicher.

Der Satz „Photoshop ist nicht schwer, du kannst damit selbst ganz leicht ein hübsches Cover machen“ entspricht inhaltlich in etwa dieser Aussage: „Word zu bedienen ist voll leicht, damit kannst ohne Probleme selbst einen guten Roman schreiben.“
Klingt überzogen? Ist es nicht.

Ja, es gibt Leute, die müssen sich nur an ihren Laptop setzen, ihr Schreibprogramm öffnen und hauen dann einen fantastischen Roman raus ohne sich viel mit dem Schreibhandwerk zu befassen. Aber auch hier: Das sind Ausnahmen. Leider. Wäre schön, wenn es so einfach wäre, nicht wahr?

Und so verhält es sich auch mit Design. Design ist Handwerk. Design ist das Wissen um bestimmte Regeln und wann man sie brechen kann. Design ist harte Arbeit und Sammeln von Erfahrungen über viele Projekte hinweg. Design ist auch zu einen gewissen Grad Intuition, die aber durch Übung und Feedback verfeinert werden muss. Design ist Konzeption, Gedanken anschaulich vermitteln, eine Idee, die Gestalt annimmt.

Was Design nicht ist: Photoshop öffnen, drei Filter auf ein Stockfoto klatschen und eine Schriftart draufwerfen, die für einen Laien irgendwie okay aussieht, aber halt auch nur irgendwie. Von außen mag das für manche Leute nicht so wirken, als wäre das echte Arbeit. Aber es gibt auch viele Leute, die denken, es wäre ein Leichtes einen Roman zu schreiben, „wenn man mal die Zeit dazu findet“. Fühlt sich ein bisschen beleidigend an, oder? Als wäre die Arbeit, Energie und Frustration, die man als Autor in die eigene Arbeit gesteckt hat, etwas was jeder kann, wenn er mal eben dazu kommt, ihm das richtige Programm in die Hände fällt …

Treiben wir das Bild des Designers als Autor mal noch etwas weiter. Angenommen wir haben diesen Schreiberling, der hat sich Papyrus Author angeschafft, weil er jetzt einen Roman schreiben möchte – sein Erstling – und das natürlich am besten geht, wenn man ein gutes Programm hat. Das macht ja im Grunde auch die ganze Arbeit, oder nicht? Rechtschreibkorrektur, Stilanalyse, etc pp. Okay, besagter Autor setzt sich hin, fängt an seine Geschichte zu schreiben. So ganz genau weiß er noch nicht was es werden soll, aber da ist auf jeden Fall dieser Typ, und der hat eine Aufgabe, und dann ist da natürlich noch diese mysteriöse Frau, und wow, okay, jetzt passieren lauter Dinge, die so nicht geplant waren, aber hey, was war da überhaupt geplant? Einfach mal weiter machen. Sind wir mal so fair und sagen, der Autor kriegt das Ding sogar irgendwie zu ende. Gibt es seiner Schwester zu lesen. Die ist sehr begeistert. Das wird ein Bestseller! Das muss die Omi auf jeden Fall auch mal lesen!!! Fantastisch. Er hat auf Anhieb, DEN Roman geschrieben. Ohne Hilfe von Lektor, Korrektor. Hat ja Papyrus Author. Gut genug, oder?

Er veröffentlicht ihn, die Reaktionen sind mau bis nicht vorhanden. Was soll das heißen? Schiefe Bilder? Redundante Wiederholungen? Die Charaktere handeln nicht nachvollziehbar? Logikfehler? Falsche Inquitformeln?! Aber seine Schwester fand den Roman gut, und deren Freund und sogar die Oma. Außerdem hat er das doch mit Papyrus Author geschrieben, muss ja gut sein. Nehmen ja auch die anderen Profis … Mhm …
So, übertragen wir das mal noch kurz auf Design: Papyrus Author ist die Adobe Creative Cloud. Der planlose Roman ist das Cover ohne Konzept, bei dem man selbst gar nicht so genau weiß, was man da eigentlich will und es eben so gut macht, wie man es hinkriegt. Eure Schwester ist eure Schwester. Und eure Omi bleibt auch dieselbe. Yay! Ist ihre Meinung wirklich wichtig? Leider immer noch nicht … Und naja, die schlechten Reaktionen auf den Roman, von jemand, der eben weiß, worauf man durchaus achten soll, gibt es auch für Cover. Unausgewogene Komposition, unoriginelles, ausgelutschtes Bildmotiv, Typografie, die sich beißt und kratzt und am liebsten wo anders wäre, nur nicht auf diesem Cover, etc. Aber wow, ist die Kritik gerechtfertigt? Ich hab das doch mit Photoshop gemacht, und meine Schwester, deren Freund und die Omi hat es ja gefallen. Mhm …
Ihr seid nun hoffentlich im Bilde.

Warum ich das hier geschrieben habe? Frustration. Jub. Nichts anderes. Im Kreativfeld zu arbeiten, egal ob schreiben, designen oder zeichnen, wird gerne degradiert. Als Hobby, als etwas, was man nicht ernst nimmt, hättest du doch mal was „richtiges“ gelernt. Und ja, von Leuten, die selbst nicht als Kreative unterwegs sind, verschmerzt man das schon eher mal, weil die wissen es ja nicht besser. Es aber von kreativen Kollegen zu hören, und zwar immer wieder, das lässt einen manchmal einfach ein wenig, sagen wir mal, verwundert zurück. Der Artikel ist also für all die frustrierten Designer, denen man besser früher mal gesagt hätte, dass es reicht, sich Photoshop zu kaufen. Hätte man sich Ausbildung, Studium, unzählige, schlecht bezahlte Praktika ersparen können. Tja ja … Jetzt wisst ihr Bescheid.